Bei BETAMOVE organisieren wir erlebnisreiche Kletterurlaube und haben die besten Insider-Tipps für dich zusammengestellt.
Nach leider zwei Flügen aus der schönen Stadt Wien, mit einigen Turbulenzen und einem leckeren Mailänder Muffin, trafen wir uns am Sonntag in Cagliari. Für viele Geschichtsliebhaber wird diese Hauptstadt sehr interessant sein. Aus Zeitgründen sind wir jedoch nur in Richtung unseres Schlafplatzes gefahren und wollten schnell zur Ruhe kommen, um am nächsten Tag fit fürs Klettern zu sein.
Tag 1: Ein Überhang im Regen
Am ersten Tag war Regen angesagt, also mussten wir uns in einen Überhang quälen. Nach einem 15-minütigen Zustieg, einigen beeindruckenden Blitzen sowie Regenfällen in der Ferne und coolen Fotos später, sind wir an dem kleinen Felsbauch angekommen. Die Haken waren bereits etwas verrostet – durch den Regen waren die Ausstiege zu nass und dadurch gefährlich. Deshalb entschieden wir, einfach unsere eigenen Routen zu klettern, teils mobil abgesichert.
Die erste Route war ein Boulderproblem in drei Metern Höhe: zwei Fingerlöcher in einem 30-%-Überhang, eine Zange mit der linken Hand, dann ein drittes Fingerloch mit rechts – kräftiger Zug, schlechte Tritte. Wir stuften die Route im 9. Grad (9/9+) ein.
Die zweite Route startete ganz links des Felsens, arbeitete sich über einen mobil abgesicherten Riss nach rechts, dann ein langer Dyno nach oben zum unteren Bauch, ein Mantel und ein sloprigen Ausstieg nach zehn Metern. Wir bewerteten die diverse, saucoole Tour mit einer 8 UIAA. Ein sehr kreativer Tag mit viel Spaß und Laune auf mehr.
Tag 2: Risskletterei bei Tortolì
Am zweiten Tag haben wir Basti zum Flughafen gebracht und sind 2,5 Stunden in Richtung Tortolì an der Ostküste gefahren. Dort haben wir eine Granitwand gefunden, die aussah wie eine Pfälzer Sandsteinwand – das Gebiet heißt Lucertole al Sole. Die Landschaft war geprägt von Kakteen und Sträuchern; wir fanden sogar das Skelett eines toten Tieres in einer Höhle und hatten das Gefühl, im Wilden Westen unterwegs zu sein.
Angekommen an der Wand fanden wir wunderbare Risskletterei vor. Ich projektierte in einem Riss mit der Beschreibung „Im oberen Teil selbst für Achter-Kletterer ein Rätsel". Nach der dritten Exe abgerutscht und reingefallen – dann von unten neu angesetzt: ein kleiner Blockierzug und Reibungstritte, eine wundervolle Knieklemm- und Blockierzugabfolge durch die Crux, ein heikler Ausstieg. Ein super Gefühl des Durchstiegs. Wir lernten ein amerikanisches Paar und zwei Kletterinnen kennen, mit denen wir für den nächsten Tag verabredet waren, und übernachteten an einem Stellplatz direkt an einem Leuchtturm am Meer.
Tag 3–4: Cengia Giradili
Auf Empfehlung von Nora, einer Schweizerin, die jedes Jahr für längere Zeit auf Sardinien lebt, fuhren wir in die Berge nach Cengia Giradili – und verfuhren uns natürlich erst mal, weil der Standpunkt im Kletterführer (Vertical Climbing) an der falschen Stelle eingezeichnet ist. Hinweis für Nutzer*innen dieses Führers: Fahrt weiter, bis eine große Kurve kommt – dort ist die richtige Forststraße.
Nach einem kurzen Abstieg von 20 Minuten waren wir da. Das Gebiet überzeugte mit einem Panorama aus Meer, Bergen und Steinböcken, dazu die Rufe der Ziegenzucht, die man auf dem Weg zur Wand durchquerte. Die Griffe waren fantastisch scharf – schlecht für die Haut, aber besser für das Erlebnis.
Ich boulderte die schöne Route Mele e Serpenti aus und schaffte sie – eine Mischung aus Risskletterei, harten Blockierzügen und einer guten Platte. Danach hing ich mich in Hannibal und bekam eine ziemliche Klatsche: weite, harte, extrem technische Züge, für den Grad relativ hart. Susi, eine Bergführerin aus Südtirol, machte nach meiner Quälerei eine ähnlich gute Figur. Anna hatte sich 2–3 entspanntere Routen herausgesucht und fühlte sich sichtlich wohl.
Wir übernachteten direkt am Parkplatz (eine gerade Stelle zu finden dauerte 20 Minuten) und wurden am Morgen von einer Horde Wildschweine überrascht, die am Platz nach Essen suchte – eine ausgiebige Fotosession war Pflicht. Den nächsten Tag verbrachten wir nochmal an derselben Wand mit entspannterer Kletterei, immer mal wieder Regen, aber auch einem Steinbock in der Ferne.
Tag 5: Sturm, eine Höhle und eine Nacht im Camper
Weiter ging es nach Cala Gonone. An unserem Restday schauten wir uns den morgigen Kletterspot an – und liefen bei Windstärke 8–9 mit Sturmböen und Wasserspritzern zu einer unfassbar schönen Cave, in der man sich vorstellen konnte, wie hier vor vielen Jahren das Meeresleben tobte. Wir sahen ein paar kletternde Personen, redeten mit ihnen, schauten den Sonnenuntergang an und aßen Brot mit Butter und Marmelade – bei der Stimmung hätte es auch nur Brot sein können.
Jacob überlegte, die Nacht in der Cave zu verbringen. Wir entschieden uns fürs warme Camper-Bett, verabschiedeten ihn wie Eltern ihr Kind auf einer Party und schliefen trotz vielem Schaukeln ganz gut.
Tag 6: Die überhängende Route und der eine Zug
Am Morgen war Jacob munter und energiegeladen, wir brachten ihm Frühstück und fingen an zu klettern. Jacob und Anna hingen sich in eine Route mit schwerer Crux unten und homogenerem Ausstieg – beide schafften sie an diesem Tag.
Ich hing in einer sehr überhängenden Route: gleichbleibende Anfangszüge, eine super Rastposition vor der Crux – aus einem großen Loch heraus in ein Zwei-Finger-Loch greifen, dann ein extrem weiter Zug in einen relativ guten Griff. So weit ausgereckt, dass ich keine Hüfte einsetzen konnte, musste ich alles aus den Armen ziehen. Nach der Crux kamen gute, aber lange Griffe – ich setzte durchgehend Hooks, um Kraft zu sparen, bis der Top in Reichweite war: nur noch ein weiter Zug nach oben in einen großen Griff, schwierig allein durch die Weite.
Ich versuchte die Route den ganzen Tag, bis die Sonne unterging, schaffte den einen Zug aber nicht – trotzdem sehr zufrieden, da es eine tolle Route war. Beim letzten Versuch tauschte ich das alte, korrodierte Bandmaterial am Umlenker gegen einen meiner Karabiner aus, damit zukünftige Athletinnen dort ohne Probleme runterkommen.
Letzter Tag: Millennium Cave
Am letzten Tag fuhren wir bei Regen in die Millennium Cave – der Weg dahin führt an Fixseilen 250 Meter nach unten ans Meer, bei Regen und ungesichert eher heikel. Die Höhle ist 60 Meter hoch und rund 210 Meter tief, mit Hunderten Stalaktiten – eine Dimension, die man kaum erwartet.
Wir kletterten eine angenehme, pumpige 6c+ über eine schöne senkrechte Wand mit hohl klingenden Steinrippen, dann eine bereits eingerichtete Route mit 8a-Bewertung, also an meinem Leistungslimit – trotz harter Züge und ein- bis zweimal Reinhängen ein irrsinniger Spaß. An der letzten Exe war der Umlenker nicht zu sehen, also schloss ich nach 30 Metern und einer harten Crux mit einem tollen Gefühl ab. Danach kletterten wir noch zwei Routen mit demselben Umlenker in einem himmlischen Genusszustand.
Angekommen auf der Fähre, parkten wir das Auto, suchten uns einen Schlafplatz im Restaurant auf dem Sofa und spielten Karten – bis die Durchsage vom Captain kam, dass es stürmisch wird. Zehn Minuten später schaukelte das Schiff so stark, dass wir alle eine Reisetablette einwarfen und ganz fix schliefen. Ausgeschlafen und fit sind wir gut angekommen und fuhren die letzten Stunden nach Hause.
So endet ein toller Urlaub mit fantastischen Eindrücken und tollen Menschen. Danke an die fleißigen Menschen, die die Routen vor Ort sanieren – ohne sie würde es fürs Klettern sehr düster aussehen.
Bei BETAMOVE geht es nicht nur um das Klettern, sondern auch um die Kultur und Menschen kennenzulernen, die Landschaft zu genießen und komplett zu entspannen.
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