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Halle an den Fels

Du kletterst sicher in der Halle, steigst vor und sicherst selbstbewusst im 5. Grad – jetzt lockt der Fels.

Doch der Übergang von weichen Matten und perfekten Griffen zu rauen Strukturen, variablen Bedingungen und moderner Absicherung stellt dich vor neue Herausforderungen. Dieser Artikel nimmt alle Inhalte eines professionellen „Halle an den Fels“ Kurs auseinander, von Materialkunde über Vorstiegstechnik bis Umbauen, damit du sicher und entspannt deine ersten Felsrouten angehst.

WICHTIG: Dieser Artikel ersetzt keinen Kurs bei BETAMOVE. Ohne einen Kurs und dessen Inhalte sollte keine Person im freien Klettern unterwegs sein. Wir sind in einer Risikosportart.

Unterschiede Halle vs. Fels

Tritte und Struktur – der größte Gamechanger

In einer Route an einem natürlichen Fels muss man manchmal Tritte und Griffe suchen. Die farbigen Möglichkeiten Indoor gibt es nicht mehr. Durch lösungsorientiertes Handeln und Klettertechnik kann man jedoch viel rausholen.

Halle

Standardisierte Tritte und Griffe, gleichmäßige Struktur, vorhersehbares Verhalten, einsehbare Wand.

Fels

Sehr unterschiedliche Trittflächen und Griffe, variable Strukturstellen, manchmal schwierig einsehbares Gelände – du musst das Felsgefühl entwickeln.

Wetter und Temperaturen als unsichtbare Gegner

Im Gegensatz zur Halle ist man fast immer dem Wetter, den Temperaturen und deren Einfluss auf Gestein und Equipment ausgesetzt. Ein trockener Fels greift wie Sandpapier, feuchter Fels wird glatt wie Eis. In manchen Regionen, wie im Elbsandsteingebiet, kann nicht ohne weiteres am Naturfels geklettert werden, wenn es davor geregnet hat. In anderen Regionen drückt das Wasser durch das Gestein und der Fels ist „nass“, obwohl er trocken aussieht.

Auch Temperaturen können eine Herausforderung sein. Ist es zu warm, kann der Fels sehr rutschig werden, auch das Gummi der Schuhe wird weicher. Ist es zu kalt, brauchen die Finger länger zum Warmwerden. Ein Fels hat zudem eine Wandausrichtung, was Variabilität mit sich bringt: Es kann ein sehr kalter Tag sein und die Sonne an einer Südwand trotzdem ausreichen. Kommt Wind dazu, kann es reichen, dass ihr nach Hause fahren müsst.

Sicherungsdichte variiert

Hallenrouten haben einen genormten Exenabstand, was zur Sicherheit beiträgt. Felsrouten haben keine Standardabmessungen, da die Haken oft so gesetzt werden, dass man die Zwischensicherung gut clippen kann. Dabei beträgt der Abstand der Haken gerne mal 2–4 Meter. Außerdem sind die Haken der Witterung ausgesetzt. In der Regel gibt es Klettergebietsbetreuer*innen, die diese Haken mindestens jährlich prüfen – eine Garantie gibt es jedoch nicht. Bei Unsicherheit ist der Rückzug sinnvoller als das Weiterklettern.

Naturschutz

Vogelschutz und Brutzeiten

In einigen Klettergebieten gibt es saisonale Sperrzeiten. Es ist die Pflicht jeder Kletterin und jedes Kletterers, Beschilderung und Vorschriften einzuhalten. Wir kommen in ein Gebiet, in dem Tiere ihr Zuhause haben. Wenn ihr ein Nest seht, verlasst das Gebiet oder klettert einige Routen daneben, und gebt den Klettergebietsbetreuer*innen Bescheid.

Wo könnt ihr euch informieren:

Felspflanzen schützen

Auch die Pflanzen müssen von uns geschützt werden. Beim Zustieg sollte auf den Wegen gewandert werden, sonst verdichtet der Boden und kann Regenwasser nicht mehr aufnehmen. Ein weiterer Aspekt ist die Entsorgung der eigenen Exkremente: Urin ist stickstoff-, phosphor- und kaliumhaltig und kann Pflanzen überdüngen. Nehmt Exkremente möglichst mit; ein NoGo ist Stein drauf und Klopapier liegen lassen.

Anreise-Ethik:

Vor allem ist es wichtig zu verstehen, dass Klettergebiete in der Regel Privatgrund sind. Wir dürfen an den Fels gehen. Wenn wir jedoch schlecht damit umgehen, kann es passieren, dass die Klettercommunity nicht mehr gewollt wird. Ihr habt eine Verantwortung!

Materialkunde: Was brauchst du wirklich?

Wir benötigen draußen grundsätzlich mehr Ausrüstung als drinnen. Nicht nur die notwendigen Gegenstände wie Helm, Exen und Seile, sondern auch das Erste-Hilfe-Set und festes Schuhwerk. Ein Clipstick erhöht die Sicherheit, weil er einen gravierenden Sturz bei den ersten Zwischensicherungen minimiert. Die Gesundheit geht immer vor!

Pflicht

  • Helm (unverzichtbar – Steinschlag, Ausbruch)
  • 8–12 Expressen (12–18 cm)
  • 2–3 Schraubkarabiner (zum Umbauen/Fädeln)
  • Seil 60 m, 9,5–10,5 mm
  • Erste-Hilfe-Set (SamSplint, First-Aid-Kit, Kälteakku)
  • Feste Schuhe zum Sichern

Optional, aber clever

  • Clipstick (erste 2–3 Exen einclippen)
  • Handschuhe zum Sichern
  • Topo-App (Offline-Karten im Kletterführer)
  • Chalk sparsam dosieren

Vorstieg am Naturfels – die Kunst des Clip-Timings

Exen clippen ist eine Kunst für sich. In diesem Prozess darf nichts schiefgehen, da ein Sturz beim Einhängen der Zwischensicherung fatal sein kann. Exen müssen gegen die Kletterrichtung eingehängt werden: Die offene Seite des Karabiners zeigt gegen die Kletterrichtung, die geschlossene Seite in die Kletterrichtung.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen kann das Seil bei falsch eingehängter Exe im Sturz wieder aus der Zwischensicherung ausclippen. Zum anderen kann sogar die ganze Exe ausgehängt werden, wenn das Seil sie anhebt und die offene Seite auf dem Haken liegt. Beides passiert beim richtigen Einhängen nicht.

Eine Expresse hat ein Ende, an dem der Karabiner fest sitzt, und eines, an dem er locker ist. Das lockere Ende muss an den Haken befestigt werden, damit sich die Exe besser bewegen kann. Um ein Toprope am Umlenker einzurichten, können zwei Exen gegenläufig eingehängt werden – als Redundanz zusätzlich die darunterliegende Zwischensicherung. Das Topropen am Ring ist zu vermeiden, da es unnötigen Verschleiß bedeutet.

Bei BETAMOVE erhaltet ihr Kurse voller Input, angepasst auf euer Level. Keiner wird zurückgelassen, da wir ein gemeinsames Lerntempo finden.

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Umbau am Umlenker – dein neuer Basis-Skill

Ein Umlenker ist die letzte Befestigung in der Route. An dieser Befestigung muss man umbauen bzw. fädeln. Im Idealfall ist der Umlenker durch eine Kette verbunden – das schafft Redundanz. Nichtsdestotrotz sollte immer geprüft werden, ob man dem Umlenker vertrauen kann. Ein Versagen ist schlichtweg keine Option. In der Regel ist nicht das Material anfällig für Probleme, sondern der Mensch.

Beim Umbauen gibt es keinen Partnercheck. Es sollte immer bedacht, konzentriert und mit voller Aufmerksamkeit durchgeführt werden. Fehler dürfen nicht passieren – seid immer bei der Sache und lasst euch nicht ablenken.

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